18.11.2025 Transformation Friedrichstraße: AIV zeigt zukunftsweisendes Konzept

Transformation der Friedrichstraße in Berlin. Bildquelle: Nöfer / Astigmatic
Die Berliner Friedrichstraße ist eine bedeutende Nord-Süd-Achse, die sich durch die Bezirke Mitte und Kreuzberg zieht. Sie wurde in den letzten Jahren ein Symbol für den Wunsch, die Straßen dieser Stadt als Lebensraum im öffentlichen Raum und für alle Bürger neu zu definieren – aber auch das politische Hin und Her in der Verkehrspolitik. Ab 2020 wurde ein Abschnitt als autofreie Zone getestet, was für einige Monate Bestand hatte, dann aber vom Verwaltungsgericht beanstandet wurde.
2022 durften Autos wieder fahren, Anfang 2023 wurde die Straße erneut gesperrt, nur um im Juli 2023 vom neuen Senat wieder für den Autoverkehr geöffnet zu werden. Seitdem ist die Friedrichstraße befahrbar, die Debatte über eine dauerhafte Flanierzone aber längst nicht beendet. Denn angesichts desverödeten, heruntergekommenen und immer weniger attraktiven Zustandes der berühmten Straße muss etwas passieren. In vielen europäischen Städten ist ein Umdenken für den öffentlichen Raum durch veränderte Verkehrskonzepte sichtbar und in der Umsetzung.
Um die Friedrichstraße wieder attraktiv zu gestalten präsentiert der Berliner Architekt Tobias Nöfer, Vorstandsmitglied des Architekten- und Ingenieurvereins zu Berlin-Brandenburg (AIV) und Gründer von Nöfer Architekten, jetzt ein umsetzbares Konzept, das der urbanen Realität des 21. Jahrhunderts ebenso Rechnung trägt wie der Geschichte dieses bedeutenden Stadtraums.
Ziel ist es, die Friedrichstraße mit dem klassischen Repertoire der Berliner Straße gestalterisch aufzuwerten und funktional zu verbessern, damit sie wieder schöner, sicherer und interessanter für Passanten und Geschäftstreibende wird. Nöfer war Initiator und Leiter der Ausstellung „immer modern! Berlin und seine Straßen“, die im letzten Herbst mit großer Resonanz Unter den Linden gezeigt wurde und dessen Schirmherr der Regierende Bürgermeister Kai Wegner war. Nöfer hatte als Vorsitzender des AIV zehn Berliner Architekturbüros eingeladen, visionäre Planungen für unwirtliche Berliner Straßenräume zu präsentieren (http://www.immermodern.de). Nun macht er einen eigenen und sehr realistischen Vorschlag für die notleidende Friedrichstraße.
Gestern wurde das Konzept im Roten Rathaus im Rahmen eines Pressegesprächs des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner vorgestellt. Dabei waren zudem die Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klima und Umwelt, Ute Bonde, der Geschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, Anja Schröder vom Aktionsbündnis „Rettet die Friedrichstraße“ sowie Gerrit Buchhorn, Hauptgeschäftsführer Dehoga Berlin.
Wegner: „Die Friedrichstraße ist weit mehr als eine Straße – sie ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Achsen in Berlin, aber auch ein Symbol für die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit unserer Stadt. Wir als Senat wollen die Friedrichstraße wieder zu einem urbanen Boulevard entwickeln. Eine solche Transformation gelingt nur gemeinsam – mit den Anwohnerinnen und Anwohnern, den Gewerbetreibenden und der Stadtgesellschaft. Ich danke allen Beteiligten für ihre Ideen und das Konzept zur Gestaltung der Friedrichstraße, die damit ein Vorbild für eine moderne Stadtentwicklungs- und Verkehrspolitik in Berlin werden kann.“
Bonde: „Das Konzept zur Umgestaltung der Friedrichstraße von Unter den Linden bis Schützenstraße ist ein wertvoller zivilgesellschaftlicher Impuls. Da geht es um für alle guten Verkehr statt Konfliktzonen. Indem alle Nutzergruppen aufeinander Rücksicht nehmen, werden sich Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität bedeutend steigern.“
Nöfer: „Die Friedrichstraße steht wie kaum eine andere Straße für die komplexe Geschichte Berlins: barocke Stadtplanung, Glanzzeiten in der Gründerzeit, radikale Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, Randlage am DDR-Todesstreifen – und nach der Wende eine durchgreifende Erneuerung im Geist der ´kritischen Rekonstruktion´. Doch drei Jahrzehnte nach dieser Umgestaltung wirkt der Straßenraum wie aus der Zeit gefallen: zu schematisch, zu autogerecht, zu unfreundlich und grau. Die Straße als Lebensraum für alle, für Flaneure, Radfahrer und Autofahrer ist zwischen Asphaltwüsten, Schilderwald, Pollern und geparkten Autos verloren gegangen. Es ist höchste Zeit, die Friedrichstraße neu zu denken – ohne ideologische Verkrampfung, aber mit Respekt vor ihrer Bedeutung. Nicht als museale Kulisse, sondern als urbanes Rückgrat inmitten einer vitalen Innenstadt.“
Ein Weiterbauen mit dem Berliner Vokabular
Im Mittelpunkt des Konzepts steht nicht ein radikaler Neubau, sondern die Transformation mit den vorhandenen Gestaltungsmitteln der Berliner Straße. Der klassische Bürgersteig mit Granitbordstein, Plattenbelägen und Kleinsteinmosaik bleibt erhalten und wird verbreitert – die heutigen Stellflächen für den ruhenden Verkehr werden in breite Gehbereiche mit Platz für Cafébestuhlung, Fahrräder, Bäume und konsumfreien Aufenthalt umgewandelt. So entsteht ein gut gestalteter Raum, der allen mehr Aufenthaltsqualität bietet.
Ruhiger Verkehr statt Konfliktzonen
Die Verkehrsführung folgt einem integrativen Ansatz: keine separaten Fahrrad- oder Busspuren, keine neuen Markierungsorgien – sondern ein ruhiger, homogener Verkehrsfluss bei Tempo 20-30, bei dem alle Nutzergruppen aufeinander Rücksicht nehmen. Die mittige Fahrbahnmarkierung entfällt. Stattdessen bleibt eine 7,50 Meter breite Fahrspur, die ausreichend Platz für Lieferverkehr, Taxibetrieb und den ruhigen Begegnungsverkehr bietet. So entsteht ein städtischer Straßenraum, der mit minimalen Eingriffen maximale Wirkung erzielt – funktional, verständlich und resilient.
Stadtbild mit Charakter – Schinkels Sternenhimmel als Inspiration
Als gestalterische Veredelung sieht das Konzept ein Muster geometrisch gesetzter Messingsterne im Straßenbelag vor – inspiriert von Karl Friedrich Schinkels berühmten Sternenhimmel – das der Straße Noblesse und Identität zurückgeben soll. „Die Friedrichstraße wird damit nicht einfach funktional optimiert, sondern bekommt ein starkes, würdiges Zeichen in ihrer Mitte – ganz im Sinne einer Straße, die historisch als ‚primus inter pares‘ gedacht war“, so Nöfer.
Mehr Grün, mehr Aufenthaltsqualität
Der Klimawandel zwingt zum Umdenken – auch dort, wo es bisher keine Tradition für Straßenbäume gibt. Das Konzept schlägt begrünte Pflanztröge mit kleinkronigen, schattenwerfenden und widerstandsfähigen Stadtbäume, z.B. Winterlinden, vor, um Hitze zu reduzieren und Regenwasser versickern zu lassen. Die Baumtröge werden zugleich als massive Sitzgelegenheiten aus Granitborden gestaltet – robust, einladend und ohne Konsumzwang nutzbar. Eine einfache Idee, die Aufenthaltsqualität, Umweltwirkung und gestalterische Integration auf elegante Weise verbindet.
Verkehrsberuhigung durch Information – nicht durch Verbote
Das Parken am Straßenrand soll hier entfallen. Nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil Dauerparken auf der weltberühmten Friedrichstraße die unpassendste aller Nutzungen ist. In unmittelbarer Nähe existieren hunderte Stellplätze in Tiefgaragen, die derzeit oft leer stehen, weil sie kaum gefunden werden. Nöfer schlägt ein kooperatives Parkleitsystem in Zusammenarbeit mit den Garagenbetreibern vor – ein Beispiel dafür, wie man vorhandene Infrastruktur intelligenter nutzen kann, statt neue Konflikte zu schaffen.
Ein Beitrag zur aktuellen Stadtdebatte
Mit dem Konzept zur Friedrichstraße zielt Nöfer darauf, das Naheliegende zu tun – mit einem konstruktiven, gestaltungsorientierten Vorschlag, der aus dem Berliner Kontext heraus entwickelt wurde. Der Vorschlag vermeidet spektakuläre Effekte und unbedachte Maßnahmen. Stattdessen wird auf dauerhafte, qualitätvolle Gestaltung gesetzt, die sich an den Bedürfnissen der Stadtgesellschaft vor Ort orientiert.
„Die Friedrichstraße ist ein Prüfstein dafür, wie wir mit öffentlichen Räumen umgehen: Ob wir es schaffen, geschmackvolle Gestaltung, Funktion und Nachhaltigkeit wieder zusammenzubringen – oder ob wir uns in Symbolpolitik und städtebaulichen Moden verlieren“, fasst Nöfer zusammen.
2022 durften Autos wieder fahren, Anfang 2023 wurde die Straße erneut gesperrt, nur um im Juli 2023 vom neuen Senat wieder für den Autoverkehr geöffnet zu werden. Seitdem ist die Friedrichstraße befahrbar, die Debatte über eine dauerhafte Flanierzone aber längst nicht beendet. Denn angesichts desverödeten, heruntergekommenen und immer weniger attraktiven Zustandes der berühmten Straße muss etwas passieren. In vielen europäischen Städten ist ein Umdenken für den öffentlichen Raum durch veränderte Verkehrskonzepte sichtbar und in der Umsetzung.
Um die Friedrichstraße wieder attraktiv zu gestalten präsentiert der Berliner Architekt Tobias Nöfer, Vorstandsmitglied des Architekten- und Ingenieurvereins zu Berlin-Brandenburg (AIV) und Gründer von Nöfer Architekten, jetzt ein umsetzbares Konzept, das der urbanen Realität des 21. Jahrhunderts ebenso Rechnung trägt wie der Geschichte dieses bedeutenden Stadtraums.
Ziel ist es, die Friedrichstraße mit dem klassischen Repertoire der Berliner Straße gestalterisch aufzuwerten und funktional zu verbessern, damit sie wieder schöner, sicherer und interessanter für Passanten und Geschäftstreibende wird. Nöfer war Initiator und Leiter der Ausstellung „immer modern! Berlin und seine Straßen“, die im letzten Herbst mit großer Resonanz Unter den Linden gezeigt wurde und dessen Schirmherr der Regierende Bürgermeister Kai Wegner war. Nöfer hatte als Vorsitzender des AIV zehn Berliner Architekturbüros eingeladen, visionäre Planungen für unwirtliche Berliner Straßenräume zu präsentieren (http://www.immermodern.de). Nun macht er einen eigenen und sehr realistischen Vorschlag für die notleidende Friedrichstraße.
Gestern wurde das Konzept im Roten Rathaus im Rahmen eines Pressegesprächs des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner vorgestellt. Dabei waren zudem die Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klima und Umwelt, Ute Bonde, der Geschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, Anja Schröder vom Aktionsbündnis „Rettet die Friedrichstraße“ sowie Gerrit Buchhorn, Hauptgeschäftsführer Dehoga Berlin.
Wegner: „Die Friedrichstraße ist weit mehr als eine Straße – sie ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Achsen in Berlin, aber auch ein Symbol für die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit unserer Stadt. Wir als Senat wollen die Friedrichstraße wieder zu einem urbanen Boulevard entwickeln. Eine solche Transformation gelingt nur gemeinsam – mit den Anwohnerinnen und Anwohnern, den Gewerbetreibenden und der Stadtgesellschaft. Ich danke allen Beteiligten für ihre Ideen und das Konzept zur Gestaltung der Friedrichstraße, die damit ein Vorbild für eine moderne Stadtentwicklungs- und Verkehrspolitik in Berlin werden kann.“
Bonde: „Das Konzept zur Umgestaltung der Friedrichstraße von Unter den Linden bis Schützenstraße ist ein wertvoller zivilgesellschaftlicher Impuls. Da geht es um für alle guten Verkehr statt Konfliktzonen. Indem alle Nutzergruppen aufeinander Rücksicht nehmen, werden sich Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität bedeutend steigern.“
Nöfer: „Die Friedrichstraße steht wie kaum eine andere Straße für die komplexe Geschichte Berlins: barocke Stadtplanung, Glanzzeiten in der Gründerzeit, radikale Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, Randlage am DDR-Todesstreifen – und nach der Wende eine durchgreifende Erneuerung im Geist der ´kritischen Rekonstruktion´. Doch drei Jahrzehnte nach dieser Umgestaltung wirkt der Straßenraum wie aus der Zeit gefallen: zu schematisch, zu autogerecht, zu unfreundlich und grau. Die Straße als Lebensraum für alle, für Flaneure, Radfahrer und Autofahrer ist zwischen Asphaltwüsten, Schilderwald, Pollern und geparkten Autos verloren gegangen. Es ist höchste Zeit, die Friedrichstraße neu zu denken – ohne ideologische Verkrampfung, aber mit Respekt vor ihrer Bedeutung. Nicht als museale Kulisse, sondern als urbanes Rückgrat inmitten einer vitalen Innenstadt.“
Ein Weiterbauen mit dem Berliner Vokabular
Im Mittelpunkt des Konzepts steht nicht ein radikaler Neubau, sondern die Transformation mit den vorhandenen Gestaltungsmitteln der Berliner Straße. Der klassische Bürgersteig mit Granitbordstein, Plattenbelägen und Kleinsteinmosaik bleibt erhalten und wird verbreitert – die heutigen Stellflächen für den ruhenden Verkehr werden in breite Gehbereiche mit Platz für Cafébestuhlung, Fahrräder, Bäume und konsumfreien Aufenthalt umgewandelt. So entsteht ein gut gestalteter Raum, der allen mehr Aufenthaltsqualität bietet.
Ruhiger Verkehr statt Konfliktzonen
Die Verkehrsführung folgt einem integrativen Ansatz: keine separaten Fahrrad- oder Busspuren, keine neuen Markierungsorgien – sondern ein ruhiger, homogener Verkehrsfluss bei Tempo 20-30, bei dem alle Nutzergruppen aufeinander Rücksicht nehmen. Die mittige Fahrbahnmarkierung entfällt. Stattdessen bleibt eine 7,50 Meter breite Fahrspur, die ausreichend Platz für Lieferverkehr, Taxibetrieb und den ruhigen Begegnungsverkehr bietet. So entsteht ein städtischer Straßenraum, der mit minimalen Eingriffen maximale Wirkung erzielt – funktional, verständlich und resilient.
Stadtbild mit Charakter – Schinkels Sternenhimmel als Inspiration
Als gestalterische Veredelung sieht das Konzept ein Muster geometrisch gesetzter Messingsterne im Straßenbelag vor – inspiriert von Karl Friedrich Schinkels berühmten Sternenhimmel – das der Straße Noblesse und Identität zurückgeben soll. „Die Friedrichstraße wird damit nicht einfach funktional optimiert, sondern bekommt ein starkes, würdiges Zeichen in ihrer Mitte – ganz im Sinne einer Straße, die historisch als ‚primus inter pares‘ gedacht war“, so Nöfer.
Mehr Grün, mehr Aufenthaltsqualität
Der Klimawandel zwingt zum Umdenken – auch dort, wo es bisher keine Tradition für Straßenbäume gibt. Das Konzept schlägt begrünte Pflanztröge mit kleinkronigen, schattenwerfenden und widerstandsfähigen Stadtbäume, z.B. Winterlinden, vor, um Hitze zu reduzieren und Regenwasser versickern zu lassen. Die Baumtröge werden zugleich als massive Sitzgelegenheiten aus Granitborden gestaltet – robust, einladend und ohne Konsumzwang nutzbar. Eine einfache Idee, die Aufenthaltsqualität, Umweltwirkung und gestalterische Integration auf elegante Weise verbindet.
Verkehrsberuhigung durch Information – nicht durch Verbote
Das Parken am Straßenrand soll hier entfallen. Nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil Dauerparken auf der weltberühmten Friedrichstraße die unpassendste aller Nutzungen ist. In unmittelbarer Nähe existieren hunderte Stellplätze in Tiefgaragen, die derzeit oft leer stehen, weil sie kaum gefunden werden. Nöfer schlägt ein kooperatives Parkleitsystem in Zusammenarbeit mit den Garagenbetreibern vor – ein Beispiel dafür, wie man vorhandene Infrastruktur intelligenter nutzen kann, statt neue Konflikte zu schaffen.
Ein Beitrag zur aktuellen Stadtdebatte
Mit dem Konzept zur Friedrichstraße zielt Nöfer darauf, das Naheliegende zu tun – mit einem konstruktiven, gestaltungsorientierten Vorschlag, der aus dem Berliner Kontext heraus entwickelt wurde. Der Vorschlag vermeidet spektakuläre Effekte und unbedachte Maßnahmen. Stattdessen wird auf dauerhafte, qualitätvolle Gestaltung gesetzt, die sich an den Bedürfnissen der Stadtgesellschaft vor Ort orientiert.
„Die Friedrichstraße ist ein Prüfstein dafür, wie wir mit öffentlichen Räumen umgehen: Ob wir es schaffen, geschmackvolle Gestaltung, Funktion und Nachhaltigkeit wieder zusammenzubringen – oder ob wir uns in Symbolpolitik und städtebaulichen Moden verlieren“, fasst Nöfer zusammen.




