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27.11.2025 Köln: OB Burmester setzt auf Dialog mit der Immobilienwirtschaft

Rund 70 Vertreterinnen und Vertreter der Kölner Immobilienwirtschaft sind auf Einladung der SPD-Fraktion zu einem weiteren Austausch mit dem neuen Oberbürgermeister Torsten Burmester zusammen-gekommen – nur 25 Tage nach dessen Wahl. Bereits im Wahlkampf hatte Burmester gemeinsam mit Bundesbauministerin Verena Hubertz das Gespräch mit der Branche gesucht. Diesmal flankierten Fraktionsgeschäftsführer Pascal Pütz und der Fraktionsvorsitzende Christian Joisten den neuen Oberbürgermeister.

Zu Beginn machte Burmester deutlich, dass er einen kontinuierlichen, offenen Dialog mit der Immobilienwirtschaft etablieren wolle. „Wir brauchen alle Akteure, um in Köln Wohnraum zu schaffen.“ Er betonte, dass er seine Schwerpunkte vor allem in den Bereichen Sicherheit und Sauberkeit, Wirtschaftsförderung und Wohnungsbau sieht. Diese Schwerpunkte wolle er Schritt für Schritt in Angriff nehmen. Trotz der aktuellen Haushaltssperre kündigte Burmester an, die geplanten Beratungen zum Köln-Standard zeitnah wieder auf die Agenda zu setzen. Zudem strebe er für die Umsetzung des Bauturbos einen grundsätzlichen Ratsbeschluss an. Eine entsprechende Vorlage soll voraussichtlich im Februar 2026 in den Rat eingebracht werden.

Auch der nun in Kraft getretene Regionalplan eröffne neue Möglichkeiten: Rund 370 Hektar Fläche sollen für unterschiedliche Zwecke in Köln entwickelt werden. Gleichzeitig betonte Burmeister den hohen Stellenwert des Mieterschutzes und verwies auf die laufenden Verfahren zur sozialen Erhaltungssatzung im Umfeld der Kalker Hauptstraße.

Diskussionsbereitschaft sieht der OB durchaus auch in der Ausgestaltung der Erbbaurechte. Die Stadt suche hierzu nach geeigneten Finanzierungsinstrumenten und wolle diese Debatte auch auf Bundesebene führen. Anfang des neuen Jahres sollen zudem Modelle für eine zweite kommunale Wohnungsbaugesellschaft diskutiert werden, insbesondere mit Blick auf seit Jahren brachliegende Flächen in Kalk und im Mülheimer Süden. Thomas Tewes (Hauptgeschäftsführer des Kölner Haus- und Grundbesitzervereins) fragte nach den künftigen Aufgaben der geplanten zweiten Wohnungsbaugesellschaft und regte die Evaluierung bestehender Erhaltungssatzungen an. Burmester machte deutlich, zu diesem Zeitpunkt keine voreiligen Versprechungen machen zu wollen und die Aufgaben der neuen Gesellschaft nach interner Diskussion Anfang nächsten Jahres zu definieren.

„Klare Priorisierung des Wohnungsbaus im Haushalt 2027 abbilden“

Stefan Rappen, Vertreter der Allianz für bezahlbaren Wohnraum – bestehend aus dem BFW-Landesverband NRW, der Arbeitsgemeinschaft Kölner Wohnungsunternehmen (köln ag), dem Kölner Haus- und Grundbesitzerverein von 1888 e.V. sowie der Wohnungsbauinitiative Köln (WIK) – überreichte dem Oberbürgermeister in Form einer Broschüre den bereits öffentlich vorgestellten Zehn-Punkte-Plan. Burmester zeigte sich bestens vorbereitet und hatte sich sichtbar intensiv bereits mit dem Programm auseinandergesetzt. Stefan Rappen (Wohnungsbauinitiative Köln) betonte das gemein-same Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und sprach sich für strukturelle Reformen sowie ein kommunales Förderprogramm aus. Die Umsetzung des Bauturbos biete echte Chancen für Nachverdichtung im Außenbereich. Burmester machte deutlich, dass ein städtisches Förderprogramm maßgeblich von der Hebelwirkung weiterer Fördermittel abhänge und kündigte an, im Haushalt 2027 eine klare Priorisierung des Wohnungsbaus abbilden zu wollen.

Christian Joisten, finanzpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, verwies auf die enorm herausfordernde Haushaltssituation der Stadt und die Notwendigkeit, substanzielle strukturelle Veränderungen einzuleiten.

Rouven Meister (Vorstand köln AG) betonte, dass sowohl die privaten Bauträger und Projektentwickler als auch die Gemeinwohl orientierten Wohnungsunternehmen gleiche Herausforderungen zu bewältigen hätten. „Vor allem die gestiegenen Baukosten machen den Wohnraum für Mieter vielfach nicht bezahlbar“, so Rouven Meister. Er machte deutlich, dass die Mitglieder köln ag insgesamt 190.000 Wohnungen (darunter ein Viertel des Kölner Wohnungsbestandes) bewirtschaften und mit einer Durchschnittsmiete von 7.66 Euro deutlich unter der Bewilligungsmiete – der Mietobergrenze für geförderten Wohnraum - liegen. Sein Fazit: „Die Dekarbonisierung des Wohnbestandes ist damit nicht zu leisten.“ Der Oberbürgermeister machte deutlich, dass es da einen Mittelweg geben müsse – Klmaschutz, der die Menschen aus ihren Wohnungen treibe, könne keine echte Lösung sein. Wichtig sei es, einen Ausgleich von sozialen Interessen und Klimaschutz zu finden.

Elisabeth Gendziorra, Geschäftsführerin des BFW-Landesverbandes NRW, regte ein neues Konzept für das Wohnungsbauforum an und verwies darauf, dass beim Gebäudetyp E vor 2027 keine bundespolitische Entscheidung zu erwarten sei. Zudem plädierte sie für eine rasche Umsetzung des Köln-Standards innerhalb der nächsten sechs Monate. Burmester bekräftigte, das Wohnungsbauforum als zentrale Austauschplattform fortzuführen und kündigte an, die gemeinsamen Interessen von Verwaltung und Wohnungswirtschaft künftig noch stärker zu bündeln.

Baulandmodell auf den Prüfstand stellen

Holger Coers, Vorstand der WIK, machte deutlich, dass die Immobilienwirtschaft nach wie vor die Quote von 30 Prozent öffentlich gefördertem Wohnraum nicht infrage stellt. „Angesichts deutlich veränderter Rahmenbedingungen sind die Auflagen des kooperativen Baulandmodells in der aktuellen Form nicht zu erfüllen, weil sie viele Projekte unwirtschaftlich machen“, informierte Coers. Er forderte den OB auf, stärker zu einer projektbezogenen Betrachtung zu kommen, wenn es um die Bereitstellung von Tiefgaragen, Spiel- oder Grünflächen gehe. „Pauschale Regelungen ohne Betrachtung des Umfeldes machen da wenig Sinn“, so Coers. Auch in diesem Punkt zeigte Burmester Gesprächsbereitschaft: „Wir sind uns darüber bewusst, dass wir das Modell weiterentwickeln müssen.“


























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