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28.11.2025 Kurswechsel: Leipzig muss den Bauturbo endlich zünden

Mit einem umfassenden Positionspapier mahnen die Stadtgestalter Leipzig eine konsequente Umsetzung des bundesrechtlichen Bauturbos in der Messestadt an. Die Beschlüsse von Bundestag und Bundesrat seien eine historische Chance, um den Wohnungsbau deutlich zu beschleunigen – doch dafür müsse Leipzig seine eigenen Bremsklötze lösen.

„Der Bauturbo ist ein klarer Auftrag: Mehr Wohnungen, weniger Verzögerungen. Leipzig darf sich diesem Signal nicht entziehen“, erklärt Dr. Ingo Seidemann, Mitglied der Stadtgestalter und Vorstandsvorsitzender des BFW Bundesverbandes Freier Wohnungs- und Immobilienunternehmen Mitteldeutschland. „Wir Projektunternehmer wünschen bei Anerkennung der fachlichen Kompetenz und des Bemühens vieler Vertreter der Verwaltung mehr ‚ja, wenn‘ statt ‚nein, weil‘.“

Die Stadtgestalter erinnern daran, dass die Schaffung neuen Wohnraums zentraler Schlüssel zur Entspannung des Marktes sei – nicht das Verwalten von Bestandsmieten oder zusätzliche Regulierung.

Das Papier zeigt auf, dass Leipzig vorhandene Ermessensspielräume bislang zu zögerlich nutzt. Es fordert eine Verwaltungskultur, die Ermöglichen über Formalismus stellt, und politische Entscheidungen, die Beschleunigung und Priorisierung von Wohnungsbau zum Leitmotiv machen.

Konkret empfiehlt das Papier, Bebauungspläne nur dort aufzustellen, wo sie gesetzlich zwingend nötig sind, den §34 BauGB als Regelinstrument zu nutzen und Abweichungen von bestehenden Bebauungsplänen aktiv zuzulassen, wenn dadurch mehr Wohnraum entsteht. Die Stadtgestalter sprechen sich zudem für nachbarschaftliche Einigungen statt kleinteiliger Regulierungen, sowie eine maßvolle, standortbezogene Anwendung belegungsgebundener Quoten aus. Etwaig auferlegte Bauverpflichtungen müssen realistisch und wirtschaftlich tragfähig sein.

Auch Wettbewerbe und informelle Beteiligungsverfahren müssen auf das notwendige Maß reduziert werden, um Verfahren nicht weiter zu verlangsamen. Das Gestaltungsforum muss zu einem freiwilligen Beratungsinstrument weiterentwickelt werden – mit orientierendem und fachlichem Support -aber ohne behindernde Verpflichtungen für Bauherren.

Mit deutlichen Worten kritisieren die Stadtgestalter eine Verwaltungspraxis, die Empfehlungen, Hinweise und politische Wünsche zu oft wie verbindliches Recht behandle. Ein klarer und transparenter Dreiklang aus zwingenden Anforderungen, Empfehlungen und unverbindlichen Hinweisen sei überfällig.

Der Bauturbo muss zudem auch für Gewerbeentwicklungen gelten, betont Michael Rücker, Sprecher der Stadtgestalter: „Gewerbe und Wohnen konkurrieren um dieselben Ressourcen in der Verwaltung. Wenn wir Wohnraum priorisieren, müssen Verfahren insgesamt effizienter und zum neuen Prinzip werden.“

Der BFW und die Stadtgestalter rufen zu einer neuen „Kultur der Begeisterung fürs Bauen“ auf. Verantwortungsbereitschaft, Mut zur Ermessensausübung und eine echte Ermöglichungskultur seien unverzichtbar, um Leipzig im Standortwettbewerb zu stärken.

„Der Bauturbo bietet die Möglichkeit, Verwaltung, Politik und Branche auf ein neues gemeinsames Level zu heben“, so Seidemann weiter. „Wir haben mit dem Bauturbo erneut eine Chance, dass Wohnungsbranche, Stadtverwaltung und Politik an einem Strang ziehen - wir bieten unsere Zusammenarbeit an,“ ergänzt Rücker.


























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