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05.05.2017 Kardinal und Bundeskanzlerin weihen ehemalige Abtei ein

Copyright: HG Esch
Ein Ort des Glaubens sensibel in die Zukunft geführt: die denkmalgeschützte Abtei Michaelsberg ragt imposant über Siegburg. Ein Ort, der Ruhe und Andacht ausstrahlt, aber rund 400 Veranstaltungen und rund 21.000 Besucher im Jahr bewältigen muss. Ab 2014 wurde die ehemalige Abtei des Erzbistums Köln unter den Plänen der Architekten msm meyer schmitz-morkramer umgebaut. Einst Benediktiner-Kloster entstand heute ein hochmodernes Tagungszentrum mit 121 Hotelzimmern, Restaurant und Konferenzsälen, das am 5. Mai eingeweiht wird. Ein reduzierter Entwurf, bei dem die Gegensätze von Tradition und Fortschritt, Historie und Zukunft, harmonisch in die Landschaft eingefügt werden und mit respektvoller Distanz nebeneinander bestehen. „Für uns war es wichtig, die berühmte Silhouette der Abtei nicht zu verändern,“ unterstreicht Architekt Caspar Schmitz-Morkramer. „Wir wollten keine stilistische Spielerei, sondern ein klares Gebäude schaffen, das bei Betrachtung Ruhe vermittelt und Spirituelles mit Architektonischem vereint.“

Besucher sehen den Michaelsberg schon von Ferne aufragen, das letzte Stück des Weges führt auf den neuen Vorplatz. Hier lagert die imposante Abtei auf mächtigen Stützmauern. Zu ihren Füßen bettet sich der Neubau, das sogenannte Forum. Eine Besonderheit: Rund 90 bis zu 15 Meter tiefe Bohrpfähle wurden parallel zum Westflügel der Abtei in den Fels eingelassen, um den Boden für den Neubau vorzubereiten. „Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, welchen Geist das Haus versprüht und was wir daraus machen können“, erklärt Architekt Caspar Schmitz-Morkramer. Eine der Antworten war das Schaffen einer klaren Ordnung: So sind im ehemaligen Klostergebäude die Hotelzimmer untergebracht, sowie einige Seminarräume. Das Forum ist zum Quartier für das Katholisch-Soziale Institut, weitere Tagungsräume und das Restaurant geworden.

Die Architekten haben sich bei Ihrer Planung intensiv mit den Materialien von Berg, Fels und Stein auseinander gesetzt. „Die Identität des Ortes zu bewahren, hatte für uns Priorität,“ so Caspar Schmitz-Morkramer, „es galt, ergänzender Teil der Landschaft zu werden, ohne diese zu verletzen.“ So scheint der Neubau direkt aus dem Fels zu wachsen, seine Hülle aus Wachenzeller Dolomit, knüpft an Farben und Topografie des Ortes an. Die Architektur wird zur Komposition, Störendes dem Auge erspart: Die Autos der Mitarbeiter und Besucher verschwinden behutsam in der im Sockel gelegenen Tiefgarage.

Mit einer wie ins Massiv eingeschnitten Eingangshalle öffnet sich das ?Forum den Besuchern. Die letzten Höhenmeter werden mit einem Glasaufzug überwunden, der in einem gläsernen Pavillon endet und die Sicht auf Bonn und das Siebengebirge freigibt. Klar und eindeutig hat msm meyer schmitz-morkramer die Fuge zwischen den beiden Baukörpern, dem neugebauten Forum und der historischen Abtei, inszeniert. Die Trennung zwischen Alt und Neu bleibt scharf, überwunden wird sie an nur an zwei Stellen mit schmalen, verglasten Brücken.

„Architektur hat das Potential zwischen dem Betrachter und der Welt, zwischen Alt und Neu, zu vermitteln,“ betont Caspar Schmitz-Morkramer. So erlebt man überall das harmonische Miteinander von gewachsener und neuer Struktur.

Der großzügige, gläserne Pavillon auf dem Dach des neuen Forums wurde zur Lounge erweitert. Hier oben können Besucher in Kürze eine grüne Oase genießen: Die begehbaren Dachflächen werden mit Gartenlandschaft zum Verweilen einladen. Durch die Gliederung in unterschiedlicher Materialität wirkt das Gebäude weder massiv noch voluminös. Hohe, schmale Fenster, die viel Licht in den Innenraum transportieren und durch Panorama-Landschaftsfenster ergänzt werden, kommunizieren Transparenz. Loggien fügen sich als Aussichtsfenster in die Fassadengestaltung und bilden große, geöffnete Bereiche. „Mit dem Neubau haben wir der Abtei eine moderne Komponente gegenüber gestellt. Wichtig für uns war, dass die beiden Häuser kommunizieren und funktionieren, nicht konkurrieren“, so Schmitz-Morkramer.

Ausgearbeitet wurde auch ein übergeordnetes Farb- und Materialkonzept, um Abtei und Forum optisch miteinander zu verbinden. Dabei dominiert Naturstein auf den Böden, warmes Eichenholz an Fenstern, Türen, Böden, Handläufen und der gesamten Möblierung. Die Architekten haben mit wenigen Materialien und daraus abgeleiteten Farben einen Grundton entwickelt, der Beziehungen schafft - zwischen Räumen, Menschen und einem gewachsenen Ort.





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