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12.09.2019 REAL PropTech: Silodenken und starre Strukturen verschwinden

V.l. Herman Knevel, Gerald Kremer und Dr. Manuel Käsbauer. Foto Urheber: Ulf Büschleb
Die Immobilienwirtschaft muss und wird sich verändern – darin waren sich die Redner der REAL PropTech einig. Einen Tag lang diskutierten Branchenentscheider und PropTech-Gründer, aber auch Digitalexperten aus anderen Industrien auf der führenden Konferenz für Innovation und Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft, wohin die Reise geht und wie sich die Unternehmen am besten für die Zukunft aufstellen. Wie stark durch die aktuellen Entwicklungen Grenzen verschwimmen und dass Entscheider heute zwingend über den Tellerrand hinausschauen müssen, zeigte sich auch daran, dass die Teilnehmer aus insgesamt 16 Ländern zur dritten Ausgabe anreisten, um Vorträge von Unternehmen wie Google, CIRC oder TLGG zu hören und über eine breite Themenvielfalt zu diskutieren. Diese reichte von neuen Formen der Mobilität über die Bedeutung von Software-Schnittstellen und -Integrationen bis hin zu sich verändernden Strukturen großer Organisationen. Mehr als 40 Redner und Diskutanten beleuchteten nicht nur die wesentlichen Entwicklungen, sondern behandelten Themen auch sehr detailliert. Der intensive Dialog, der hierbei, aber auch bspw. bei den neu eingeführten Live-Demos innovativer Softwarelösungen entstand, zeigte eindrucksvoll, wie sich die Branche in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat: Weg von generalistischen Appellen und Zukunftsmusik hin zum praxisnahen Erfahrungsaustausch und zielführenden Handlungsempfehlungen.

„Von einem Hype war auf der REAL PropTech nichts zu spüren. Die Teilnehmer sind im Arbeitsmodus angekommen. Wir haben es geschafft, mit unserer Konferenz über die letzten Jahre hinweg nicht nur Akzente im Markt zu setzen, sondern die richtigen Personen zusammenzubringen. Die entscheidende Erkenntnis ist: Unsere Branche kann Digital – um die digitale Immobilienwirtschaft zu gestalten, müssen wir jedoch noch weitaus mehr Akteure an Bord holen. Nur wenn es uns als Branche gelingt unsere Kräfte zu bündeln, werden wir auch aktiv gestalten können“, sagt Alexander Ubach-Utermöhl, Managing Partner des Veranstalters blackprintpartners.

Starre Strukturen aus der Vergangenheit konsequent hinterfragen

So argumentierte auch Hubert Rhomberg, Managing Partner bei Rhomberg Bau. In seinem Impulsvortrag hielt er der Branche den Spiegel vor: „Das heutige Bauen ist genauso langsam wie vor hundert Jahren. Um das zu ändern, müssen wir modular denken und modulare sowie nachhaltige Bauteile anbieten. Die Automobilwirtschaft zeigt uns, wie es geht.“ Rhomberg digitalisiert seine Value Chain fortlaufend und treibt das Thema Vernetzung und Modularisierung im Immobilienbau voran. Ein Gebäude innerhalb von 14 Tagen zu erbauen ist möglich – das zeigte er anhand eines Projekts von Zech mit Cree. „Construction as a service“ ist Rhombergs Leitgedanke, was gleichzeitig die Vernetzung einzelner am Bau beteiligter Parteien bedeutet. „Wir sollten aus unserem Silodenken ausbrechen. Lasst uns unser Wissen teilen und schauen, was andere daraus machen können.“

Dass sich diese Veränderungen in heutigen Organisationsstrukturen allerdings nur schwer umsetzen lassen, wurde schnell klar. Wie man als etabliertes Unternehmen auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren sollte, erklärte Max Orgeldinger, Managing Director der digitalen Agentur TLGG. Entscheidend bei der Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodells sei ein klarer Fokus. „Unternehmen müssen sich fragen: Wie verändert sich meine Wertschöpfungskette und welche Teile kann und muss ich selbst in Zukunft differenziert und wertschöpfend anbieten. Mein Tipp: Definieren Sie eine Strategie mit klarer Positionierung und halten Sie sich konsequent daran.“

Konkrete Strategien für die Transformation aus Immobiliensicht entwickelten Dr. Manuel Käsbauer, Head of Innnovation & Technology bei Patrizia, Dr. Thomas Herr, EMEA Head of Digital Innovation bei CBRE, Herman Knevel, PropTech Program Director bei THE NEXT WEB, und Gerald Kremer, CDO Global Real Estate bei Credit Suisse Asset Management. Knevel plädierte auf der einen Seite für „Minimum Viable Partnerships“ mit Tech-Unternehmen, um schnelle Tests und Ergebnisse zu erreichen, forderte aber auch eine veränderte Gesamtausrichtung der Organisation: „Es ist essentiell, dass etablierte Unternehmen verstehen, dass sie Innovation nur vorantreiben, wenn sie diese in die eigene DNA aufnehmen.“

Für die Entwicklung von Technologien sind in vielen Bereichen Risiko-Investitionen durch Corporates oder Venture-Capital-Investoren noch unabdingbar. Finanzierungsrunden rein um des Geldes Willen sollten Gründer jedoch tunlichst vermeiden, erklärte Stefan Zanetti, Gründer von Allthings: „Es ist wichtig den richtigen Partner zu finden. Investoren sollten auch Know-how und Netzwerk ins Unternehmen einbringen und die Vertrauenswürdigkeit erhöhen. Gleichzeitig müssen sie ein Bewusstsein für die Linie zwischen wertstiftendem Input und operativer Übernahme der Verantwortung haben.“ Die positive Wirkung des richtigen Partners fasste Bastian Schätzle, CEO von Homefully, prägnant zusammen: „Unsere Investoren sind unsere größten Fans.“

Doch auch Venture-Capital-Investoren haben hohe Anforderungen. Daria Sarahova, Partner bei Vito.one, stellte klar: „Wir investieren nur in exponentielles Wachstum. Wenn wir das bei einem PropTech nicht sehen, sind wir nicht interessiert. Manchmal ist die Idee und das Business Model sehr gut, aber der Markt ist zu klein. Dann ist es kein VC-Case für uns.“

Weg vom Denken in Gebäuden hin zu Stadt- und Lebensraumkonzepten

Ebenfalls Thema auf der REAL PropTech war die Zukunft der Mobilität. Ihr Wandel ist durch die zunehmende Verbreitung von E-Scootern und den Debatten um elektrisches sowie autonomes Fahren präsenter denn je. Ed Parsons, Geospatial Technologist bei Google, appellierte daran, sich von Leuchtturmprojekten nicht blenden zu lassen: „Nur weil wir über Volocopter nachdenken, heißt das nicht, dass diese auf den Massenmarkt gelangen. Aber allein die Möglichkeit, derartige Mobilitätsangebote zu entwickeln, bringt uns als Gesellschaft weiter. Technologie sorgt für Fortschritt.“ Als Abschlussredner setzte er die Klammer für den Tag, indem auch er an die Branche appellierte, ihr Selbstverständnis aufzugeben: „Eine Stadt sollte die Aufgabe haben, etwas zu vereinfachen, nicht zu verkomplizieren. Mobilitätskonzepte zu integrieren, ist nur Teil dieser Aufgabe. Man darf nicht vergessen: Menschen ziehen in die Stadt und nicht in Gebäude.“

Unterstützt wurde die REAL PropTech in diesem Jahr von CBRE, Berlin Hyp, BitStone Capital, Convaron, Deutsche Wohnen, Greenberg Traurig, Kintyre, HB Reavis, Simplifa, Drees & Sommer, KPMG, Polis Immobilien und PropTech1 Ventures sowie den Netzwerk- und Medienpartnern FIBREE, gpti German PropTech Initiative, Gründerszene, Immobilien Manager Verlag, Immobilienwirtschaft, Konii, RICS und ZIA.







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